2 Sobär

Sobär - voll durchgestylt
Sobär - voll durchgestylt

Sobär, was für ein Name? Sobär ist der Schlingel, wegen dem ich hier überhaupt schreibe.

 

Er ist übrigens recht stolz auf sich, weil er aus reiner Schurwolle gemacht ist. Dass er im Kopf nur Stopfwatte hat, stört ihn wenig, da bekommt er im hohen Alter wenigstens keine Demenz. Ein Kandidat für die Pharmaindustrie wird er so aber auch nicht. Das hat natürlich negative Auswirkungen auf das Bruttosozialprodukt. Ihm ist das aber egal, zumal er in keiner Krankenkasse ist.

 

Sobär hat kurze Stummelbeine. Lügen haben kurze Beine sagt man. Das trifft auf Sobär nicht zu. Er sagt immer die Wahrheit. Das ist doch sehr sympathisch könnte man meinen. Dem stehen Statistiken der Psychologen gegenüber, die sagen, dass jeder täglich mehrfach lügt, bis zu 200-mal. Lügen bezeichnet unsere moderne Gesellschaft natürlich anders, man schummelt oder flunkert. Es soll sogar Menschen geben, die lügen nicht, sondern haben einen kreativen Sprachgebrauch. Die Top 10 der Wortkünstler bezeichnen dies sogar als verbale Anpassung soziologischer Gründe des kulturellen Umfeldes.

 

Sie ahnen es vielleicht schon, als wahrheitsliebender Bär ist Sobär ein Licht im Dunkel unserer Gesellschaft, quasi ein Leuchtturmprojekt animalischer Gestalt. Welcher Unternehmensberater kann so etwas schon in seinem Portfolio aufweisen?

 

Sobär ist gescheckt. Nicht dass Sie vielleicht meinen, er gehört zur Szene der Investmentbanker, ich meine seine Farbgestaltung. Bei dieser überwiegen gelblich orangene Töne mit leichtem Braunschimmer, allerdings nicht changierend. So könnte er auch kein Investmentbanker sein, selbst wenn er wollte. Sein Dresscode ist einfach nicht businessfähig. Es ist schon erstaunlich, was die Wollfärbeindustrie heute zu leisten im Stande ist. Ich will allerdings nicht daran denken, ob er farbecht ist. Nun ja, er ist aber garantiert ein echter Kerl. Außerdem nehme ich ihn auch nicht in den Mund, wie das kleine Kinder tun. Das Risiko einer Farbvergiftung besteht insofern nicht. Ich bin allerdings in einer Krankenkasse.

 

Wie er aussieht, könnte man auf die Idee kommen, dass Sobär einen Tarnanzug trägt und sich demnächst für einen freiwilligen Einsatz der Friedenstruppen in Wüstengebieten meldet. Da er mit seinen kurzen Beinen bodennah arbeitet, könnte er bei der gleichnamigen Truppe gut eingesetzt werden. Vielleicht wäre die Suche von Landminen ein lobenswerter Job. Wenn ich es genau überlege, wäre mir das aber zu unsicher, immerhin habe ich nur den einen Sobären. Das Risiko ist allerdings gering, er würde aus Altersgründen wohl schon bei der Musterung durchfallen.